Tagebucheintrag von Edith Schiele
Courtesy Kallir Research Institute, New York
ESDA ID
3498
Nebehay 1979
Nicht gelistet/Not listed
Bestandsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York
Ort
Mühling bei Wieselburg
Datierung
26.08.1916 (eigenhändig)
Material/Technik
Tinte auf Papier
Maße
24 x 19,5 cm
Transkription
Mühling 26. Aug.[ust] 1916.
Gesten war ich in Purgstall, 2 Bahnstationen von hier,
Wohnung für den Herbst und Winter suchen. Ich machte dabei
einen Besuch bei Frau Arch. Fritz [geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms: *], eine sehr liebe Dame
mit einem reizenden 3 jährigen Mäderl. Der Nachmittag
verging mir sehr rasch, als ich in Mühling ankam erwartete
[geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms, roter Buntstift:] * Schiele Bilder Käufer der Gatte
||
mich Egon bei der Haltestelle, wir gingen noch ein bisserl
spazieren, wobei E.[gon] einige Sonnenblumen zeichnete.
E. wird seinen Urlaub nicht im ganzen sondern geteilt erhalten
je 5 Tage, nicht besonders angenehm, doch man muß froh sein
ihn so zu erhalten.
Mit meiner körperlichen Gesundheit geht es immer mehr bergab.
Ich bin derart Nervenkrank, d.[ass] mich mein Körper furchtbar
schmerzt ich weine stundenlang, quäle mich mit irgend
einen [!] Gedanken, irgendeine Kleinigkeit bringt mich zur
Raserei. Alles nennt mich bissig und ekelhaft, doch
ihr alle könnt mir glauben, dass ich krank bin, kranker
als ihr denkt. Nirgends finde ich Verständnis, daß [!] tut
mir so weh.
Heut in 14 Tagen fahren wir nach Wien, ich bin schon sehr
neugierig wie Dela’s Geschäft aussieht. Wenn diese
nette kleine Bude nicht floriert, müsste der Teufel dahinter
stehn.
Gesten war ich in Purgstall, 2 Bahnstationen von hier,
Wohnung für den Herbst und Winter suchen. Ich machte dabei
einen Besuch bei Frau Arch. Fritz [geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms: *], eine sehr liebe Dame
mit einem reizenden 3 jährigen Mäderl. Der Nachmittag
verging mir sehr rasch, als ich in Mühling ankam erwartete
[geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms, roter Buntstift:] * Schiele Bilder Käufer der Gatte
||
mich Egon bei der Haltestelle, wir gingen noch ein bisserl
spazieren, wobei E.[gon] einige Sonnenblumen zeichnete.
E. wird seinen Urlaub nicht im ganzen sondern geteilt erhalten
je 5 Tage, nicht besonders angenehm, doch man muß froh sein
ihn so zu erhalten.
Mit meiner körperlichen Gesundheit geht es immer mehr bergab.
Ich bin derart Nervenkrank, d.[ass] mich mein Körper furchtbar
schmerzt ich weine stundenlang, quäle mich mit irgend
einen [!] Gedanken, irgendeine Kleinigkeit bringt mich zur
Raserei. Alles nennt mich bissig und ekelhaft, doch
ihr alle könnt mir glauben, dass ich krank bin, kranker
als ihr denkt. Nirgends finde ich Verständnis, daß [!] tut
mir so weh.
Heut in 14 Tagen fahren wir nach Wien, ich bin schon sehr
neugierig wie Dela’s Geschäft aussieht. Wenn diese
nette kleine Bude nicht floriert, müsste der Teufel dahinter
stehn.
Erfasst in
Vollständige Transkription abgedruckt in:
Edith Schiele: „Das Tagebuch. ‚Ich werde dieses Buch nicht Tagebuch heißen, – sondern Trostbuch‘“, in: Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914–1918, hrsg. von Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger, Wien 2025, S. 50–77 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 28.03.–13.07.2025).
Edith Schiele: „Das Tagebuch. ‚Ich werde dieses Buch nicht Tagebuch heißen, – sondern Trostbuch‘“, in: Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914–1918, hrsg. von Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger, Wien 2025, S. 50–77 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 28.03.–13.07.2025).
Eigentümer*in
Autor*in
Erwähnte Person
Abbildungsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York
Verknüpfte Objekte
PURL: https://www.egonschiele.at/3498