Tagebucheintrag von Edith Schiele
Tagebucheintrag von Edith Schiele Bild 1
Tagebucheintrag von Edith Schiele Bild 2
Courtesy Kallir Research Institute, New York
ESDA ID
3465
Nebehay 1979
Nicht gelistet/Not listed
Bestandsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York
Ort
Neuhaus in Böhmen (Jindřichův Hradec)
Datierung
01.07.1915 (eigenhändig)
Material/Technik
Tinte auf Papier
Maße
24 x 19,5 cm
Transkription
Donnerstag 1. Juli 1915.
Als ich heute zu Egon kam, – mußte ich erfahren
daß es keinen Ausgang heute gibt. – Die Tschechen,
diese Schweine, haben sich wieder so fein benommen
d.[ass] es jetzt Kasernenarrest gibt. – Hoffentlich kommt
für dieses Gesindel noch einmal die gerechte Strafe.
Wenn nur das Wetter besser wäre, – ich fürchte
Egon wird mir in diesem Stall noch ganz krank.
Es wäre zu schrecklich. – Heute habe ich von Farkas [1]
Nachricht bekommen, – wohl nicht die erwünschte –
ich werde ihn [!] noch einmal heute schreiben und ihn [!]
den Jammer detail[l]ieren, –, vielleicht, – daß er
einen Rat für uns weiß.
Daß man aber die Freiwilligen nicht wenigstens
in Kasernen einquartiert, ist doch zu bös. Warum
nur! In einer Scheune, rundherum alles Dreck
das ist doch für Menschen keine Behausung.
||
Wenn schönes Wetter wäre, würde man ja eine Nacht
sogar dort sehr schön verbringen können, – aber unter
diesen Umständen – ist es menschenunwürdig. Mich
friert in meinem warmen Bett, – wie wird erst Egon
kalt sein! – oh Gott, – hat den[n] der Jammer
nicht bald ein Ende.
Anmerkungen
[1] Jenő (Eugen) Farkas, Bekannter von Egon und Edith Schiele.
Erfasst in
Vollständige Transkription abgedruckt in:
Edith Schiele: „Das Tagebuch. ‚Ich werde dieses Buch nicht Tagebuch heißen, – sondern Trostbuch‘“, in: Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914–1918, hrsg. von Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger, Wien 2025, S. 50–77 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 28.03.–13.07.2025).
Abbildungsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York

Verknüpfte Objekte

PURL: https://www.egonschiele.at/3465