Tagebucheintrag von Edith Schiele
Courtesy Kallir Research Institute, New York
ESDA ID
3461
Nebehay 1979
Nicht gelistet/Not listed
Bestandsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York
Ort
Prag
Datierung
27.06.1915 (eigenhändig)
Material/Technik
Tinte auf Papier
Maße
24 x 19,5 cm
Transkription
Sonntag den 27. Juni 1915 morgens 6h
Ich hatte zu hause keine Ruhe, ich mußte Samstag noch
einmal nach dem Ausstellungsgebäude gehen. Von
6 bis 8h habe ich Truppen weg marschieren sehen
doch nicht Egons Regiment.
Ein Kadett der dort Wache hatte versicherte mir
Reg.[iment] 75 geht erst nächsten morgen ab. Ich habe dann
noch mit ihm eine Zeit geplaudert und bin dann
Nachtmahl essen gegangen, in Begleitung Eugen Farkas
weil er mich gar so gebeten hat ihn mitzunehmen, und
ich bin so allein gewesen; und Farkas der anständigste
Mensch war den man sich denken konnte, – nach
1 Stunde war ich aber schon zu hause – und gleich
darauf im Bett. –
– [geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms: Romanze beginnt!]
11h mittags
Nun ist Egon fortmarschiert! Wann wird er
ankommen, – so froh ich bin daß er von hier
weg konnte; so unruhig bin ich jetzt; – weil ich
so ganz verlassen in diesen [!] Prag bin.
Jetzt will ich ein bisserl schlafen, – nachmittag
||
ins Cafe Arco gehen, die Wiener Zeitungen lesen –
und was dann!? – hoffentlich gibt mir Egon
bald Nachricht, daß ich nachkommen kann.
10h abends
Wer beschreibt mein Erstaunen, – als ich im Cafe sitze – und
Jenö Farkas mich bittet mir Gesellschaft leisten
zu dürfen; – nun ich habe nicht nein gesagt
– und so haben wir den Nachmittag zusammen ver-
bracht – wir waren bei einem Konzert in Baum-
garten – dann Riegerpark abend im Englischen Hof nach[t]mahl essen.
Sonst nichts Bemerkenswertes.
Ich hatte zu hause keine Ruhe, ich mußte Samstag noch
einmal nach dem Ausstellungsgebäude gehen. Von
6 bis 8h habe ich Truppen weg marschieren sehen
doch nicht Egons Regiment.
Ein Kadett der dort Wache hatte versicherte mir
Reg.[iment] 75 geht erst nächsten morgen ab. Ich habe dann
noch mit ihm eine Zeit geplaudert und bin dann
Nachtmahl essen gegangen, in Begleitung Eugen Farkas
weil er mich gar so gebeten hat ihn mitzunehmen, und
ich bin so allein gewesen; und Farkas der anständigste
Mensch war den man sich denken konnte, – nach
1 Stunde war ich aber schon zu hause – und gleich
darauf im Bett. –
– [geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms: Romanze beginnt!]
11h mittags
Nun ist Egon fortmarschiert! Wann wird er
ankommen, – so froh ich bin daß er von hier
weg konnte; so unruhig bin ich jetzt; – weil ich
so ganz verlassen in diesen [!] Prag bin.
Jetzt will ich ein bisserl schlafen, – nachmittag
||
ins Cafe Arco gehen, die Wiener Zeitungen lesen –
und was dann!? – hoffentlich gibt mir Egon
bald Nachricht, daß ich nachkommen kann.
10h abends
Wer beschreibt mein Erstaunen, – als ich im Cafe sitze – und
Jenö Farkas mich bittet mir Gesellschaft leisten
zu dürfen; – nun ich habe nicht nein gesagt
– und so haben wir den Nachmittag zusammen ver-
bracht – wir waren bei einem Konzert in Baum-
garten – dann Riegerpark abend im Englischen Hof nach[t]mahl essen.
Sonst nichts Bemerkenswertes.
Erfasst in
Vollständige Transkription abgedruckt in:
Edith Schiele: „Das Tagebuch. ‚Ich werde dieses Buch nicht Tagebuch heißen, – sondern Trostbuch‘“, in: Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914–1918, hrsg. von Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger, Wien 2025, S. 50–77 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 28.03.–13.07.2025).
Edith Schiele: „Das Tagebuch. ‚Ich werde dieses Buch nicht Tagebuch heißen, – sondern Trostbuch‘“, in: Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914–1918, hrsg. von Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger, Wien 2025, S. 50–77 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 28.03.–13.07.2025).
Eigentümer*in
Autor*in
Erwähnte Person
Abbildungsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York
Verknüpfte Objekte
PURL: https://www.egonschiele.at/3461