Letter from Anton Faistauer to Egon Schiele
Albertina, Vienna
ESDA ID
1447
Nebehay 1979
1373, nicht vollst. transkribiert/not fully transcribed
Credit line
Albertina, Vienna, Inv. ESA 56 a (envelope), 56 b (letter)
Place
Vienna
Date
3rd Feb. 1918 (handwritten)
Material/technique
Black ink on paper
Dimensions
25,7 x 17,3 cm
9,5 x 15,2 cm (envelope)
9,5 x 15,2 cm (envelope)
Transcription
Lieber Schiele,
Ich möchte mit dir gerne über die Aus-
stellung [1] sprechen, da ich der Ansicht bin, daß
unter allen wichtigen Ausstellern (wozu
ich auch mich zähle) ein ganz sicheres Ein-
vernehmen bestehen müsse, insbesondere wenn
sie auf heimatlichem Boden stattfindet,
um unliebsamen Auseinandersetzungen
infolge Zurücksetzung zu vermeiden.
Ich habe meine Vermutungen schon deshalb,
weil du dich nicht persönlich an mich ge-
wendet hast, halte es aber für dringend
notwendig daß du mir dein Programm u.
die beabsichtigte Durchführung erklärst, sobald
du die Leitung in die Hand nimmst, was
unserseits kein Auftrag war.
Ich will auf keinen Fall als bloß mitge-
nommen angesehen werden, ohne von
der Tendenz unterrichtet zu sein.
Dies nicht allein aus eigenem Interesse,
sondern auch für meine Freunde, für deren
fünf ich die Vertretung übernommen habe.
Ich zweifle nicht, daß wir zu einem
Einvernehmen kommen werden, wenn du
verhandeln willst.
Ich teile dir noch mit, daß ich von
||
Heinrich Schröder ganz hervorragende
Zeichnungen gesehen habe die ich dich
bitte anzusehen da ja für Zeichnungen
ein Platzmangel nicht in Betracht kommt.
Daß er nicht Österr.[eicher] ist braucht niemand
wissen da er doch stets in unserer Kamerad-
schaft mitgewirkt hat.
Ich bitte dich also zu kommen, du triffst
mich fast stets zu Hause, wenn du mir eine
Karte schreibst sogar sicher.
Herzlichen Gruß
Faistauer
4 Floragasse 7
[Kuvert:]
Herrn
Egon Schiele
Wien XIX.
Hietzinger Hauptstr.[aße] 101.
||
Ant Faistauer
Wien 4
Floragasse 7
Ich möchte mit dir gerne über die Aus-
stellung [1] sprechen, da ich der Ansicht bin, daß
unter allen wichtigen Ausstellern (wozu
ich auch mich zähle) ein ganz sicheres Ein-
vernehmen bestehen müsse, insbesondere wenn
sie auf heimatlichem Boden stattfindet,
um unliebsamen Auseinandersetzungen
infolge Zurücksetzung zu vermeiden.
Ich habe meine Vermutungen schon deshalb,
weil du dich nicht persönlich an mich ge-
wendet hast, halte es aber für dringend
notwendig daß du mir dein Programm u.
die beabsichtigte Durchführung erklärst, sobald
du die Leitung in die Hand nimmst, was
unserseits kein Auftrag war.
Ich will auf keinen Fall als bloß mitge-
nommen angesehen werden, ohne von
der Tendenz unterrichtet zu sein.
Dies nicht allein aus eigenem Interesse,
sondern auch für meine Freunde, für deren
fünf ich die Vertretung übernommen habe.
Ich zweifle nicht, daß wir zu einem
Einvernehmen kommen werden, wenn du
verhandeln willst.
Ich teile dir noch mit, daß ich von
||
Heinrich Schröder ganz hervorragende
Zeichnungen gesehen habe die ich dich
bitte anzusehen da ja für Zeichnungen
ein Platzmangel nicht in Betracht kommt.
Daß er nicht Österr.[eicher] ist braucht niemand
wissen da er doch stets in unserer Kamerad-
schaft mitgewirkt hat.
Ich bitte dich also zu kommen, du triffst
mich fast stets zu Hause, wenn du mir eine
Karte schreibst sogar sicher.
Herzlichen Gruß
Faistauer
4 Floragasse 7
[Kuvert:]
Herrn
Egon Schiele
Wien XIX.
Hietzinger Hauptstr.[aße] 101.
||
Ant Faistauer
Wien 4
Floragasse 7
Annotations
[1] XLIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession, Wien, 01.03–01.04.1918.
Provenance
Legat: Max Wagner, Wien
Owner
Author
Recipient
Mentioned person
Image credit
Albertina, Vienna
Exhibitions
-
XLIX. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs SecessionVienna Secession, Vienna, 1st March–1st April 1918
PURL: https://www.egonschiele.at/1447