Letter from Edith Schiele to Egon Schiele
Letter from Edith Schiele to Egon Schiele Bild 1
Letter from Edith Schiele to Egon Schiele Bild 2
Letter from Edith Schiele to Egon Schiele Bild 3
Scan from: Nebehay 1979, p. 356
ESDA ID
955
Nebehay 1979
871, mit Abb./with illustration
Credit line
Albertina, Vienna, Inv. ESA 1032
Date
Feb. 1916 (inferred from content)
Material/technique
Black ink on paper
Transcription
Montag ½h nachmittag

Mein Egerle.
Ich werde die Sache kurz machen,
damit der Brief rasch auf die Post
kommt. – Also: Heute vormittag
konnte ich H.[errn] Ober Leutn.[ant] nicht sprechen,
weil er nicht zu hause war, mußte
folgedessen nachmittags nocheinmal
fahren, – doch dies mal hatte ich
Glück H. O. L. hat mich angenommen.
Ein feiner zuvorkommender Herr, der
sich in Deine Lage gut hinein denken
||
kann. Durch mein vieles Reden
war er endlich weich geworden, und
wollte mir versprechen Dir nächsten
Sonntag wieder frei zu geben. Doch
das war mir zu wenig. Ich habe ihm
gesagt wenn er Dir die Strafe
nicht ganz schenken kann
so soll er sie Dir wenigstens verkürzen.
Er hat mir versprochen sein
möglichstes zu tun. Im übrigen
gilt Dein Arrest schon vom
1sten hat er gesagt, folgedessen
sind ja schon 4 Tage überstanden.
Er wird es dem Major sagen
||
daß der die Sache macht,
denn, sagt er, würde er Dir die
Strafe nachlassen, würden
dann alle zu ihm kommen, was
man ja gut verstehen kann.
Nach seinem Reden wird er
so viel er nur machen kann
für Dich tun.
(Die Feder ist so elend ich kann kaum
damit schreiben)
Also das Resultat meines
Besuches ist doch sehr befriedigend
ausgefallen. Nicht wahr?
||
Jetzt bin ich neugierig
wann ich Dich wieder
habe, so schlimm wie Du
Dir es gedacht hast ist es
also nicht.
Zu Deiner Beruhigung sage
ich Dir noch d.[ass] ich sehr brav
sein werde, immer immer
an Dich denke und Dich unendlich
lieb habe Deine Edith.

P. S.
Mein Fuß tut mir so weh’, wenn er
morgen nicht besser ist gehe ich zum
Arzt
Provenance
Max Wagner, Vienna
1954: Albertina, Vienna
Recorded in
Imagno Austrian Archives, Wien, Nr. 120221
Recipient
Image credit
Scan from: Nebehay 1979, p. 356

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