Tagebucheintrag von Edith Schiele
Tagebucheintrag von Edith Schiele Bild 1
Tagebucheintrag von Edith Schiele Bild 2
Courtesy Kallir Research Institute, New York
ESDA ID
3477
Nebehay 1979
Nicht gelistet/Not listed
Bestandsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York
Ort
Neuhaus in Böhmen (Jindřichův Hradec)
Datierung
13.07.1915 (eigenhändig)
Material/Technik
Tinte auf Papier
Maße
24 x 19,5 cm
Transkription
Dienstag 13. Juli 1915. • B.
Heute vormittag habe ich das erste mal seit
wir hier sind mich unendlich gefreut, Egon
kam mit der Nachricht nach hause daß
wir wahrscheinlich nach Wien kommen.
Du guter Gott, – dann wird ja alles wieder gut.
Doch jetzt um 10h abends bin ich in absolut
keiner guten Stimmung! Wie mir heute die
Post gebracht wurde, habe ich, – ich weiß ja
selbst nicht warum, – den Brief von Egons
Mutter in meine Tasche gesteckt im Glauben
Egon bemerke es nicht. – Warum hab’ ich d.[as]
nur getan, – er war ja wohl an mich adressiert,
doch warum hab ich ihn versteckt, – Ich
kann es Egon garnicht übel nehmen d.[ass] er
[geschr. von anderer Hand, vermutl. Adele Harms: 20 K[ronen] heimlich auf ihr Verlangen
geschickt]
||
über mich den Kopf schüttelt. – Mein Weinen
jetzt macht die Sache nicht gut, und ich habe
durch mein Benehmen Egon [durchgestr.: schon wieder]
im Glauben an mich, [durchgestr.: wieder] irre gemacht.
Es tut mir so weh, wenn er so harte Worte
zu mir spricht, – doch er hat ja alle Ursache.
Ich will, bei meiner [durchgestr.: zu] Liebe zu ihm, es wahrhaftig
nie und nimmer tun. Ich hab doch nichts
vor ihm zu verbergen, – wie kann ich mir
nur selbst so schaden, sein Vertrauen zu
mir muß sich ja dadurch schwächen – doch
ich will es gut machen, – ich würde mich
direkt kasteien würde ich rückfällig werden.
Egon, verzeih mir, – ich wills nimmer tun!
Erfasst in
Vollständige Transkription abgedruckt in:
Edith Schiele: „Das Tagebuch. ‚Ich werde dieses Buch nicht Tagebuch heißen, – sondern Trostbuch‘“, in: Zeiten des Umbruchs. Egon Schieles letzte Jahre 1914–1918, hrsg. von Kerstin Jesse/Jane Kallir/Hans-Peter Wipplinger, Wien 2025, S. 50–77 (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 28.03.–13.07.2025).
Erwähnte Person
Abbildungsnachweis
Courtesy Kallir Research Institute, New York

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